Europatrend setzt sich bei Regionalwahl fort

Der große Verlierer der Regionalwahl im Landkreis Ludwigsburg ist die CDU. Die Christdemokraten mussten zum Teil Verluste im zweistelligen Prozentbereich hinnehmen. Nutznießer sind die FDP und die Freien Wähler.

Uneinheitlicher das Bild bei der SPD: Die Sozialdemokraten haben zum Teil leicht zugelegt, in manchen Gemeinden aber auch deutlich verloren. Zugewinne verzeichnen neben den Freien Wählern und der FDP auch die Grünen und die Linke. Die ersten Ergebnisse, die gegen 19.40 Uhr vorlagen, gaben den Trend für die CDU vor: In Benningen verloren die Christdemokraten elf Prozent, in Erligheim waren es gar 13. Der Union gelang nur noch in zwei Gemeinden (Murr und Hessigheim) der Sprung über die 40-Prozent-Marke, in Ingersheim, Benningen, Asperg, Markgröningen, Remseck, Löchgau, Oberriexingen, Bönnigheim, Vaihingen und Sersheim rutschte sie unter 30 Prozent.

Die Stimmen, die die CDU einbüßte, wanderten offensichtlich vor allem zu den Freien Wählern und der FDP. So legten die nicht an Parteipolitik gebundenen Freien Wähler zum Beispiel in Benningen um 20 Prozent zu. Ein Ausreißer nach oben zwar, aber in den meisten Kommunen des Landkreises lagen die Stimmenzuwächse zwischen einem und sechs Prozent. Einzig in Großbottwar schlug das Pendel in die andere Richtung aus: Hier verloren die Freien Wähler satte 11,6 Prozent.

Prozentual gesehen haben die kommunalpolitisch bislang weniger schwergewichtigen Freien Demokraten vergleichbare Gewinne aufzuweisen wie die Freien Wähler, sie kommen allerdings von einem niedrigeren Niveau. Einen der höchsten Anstiege hat die FDP in Remseck zu verzeichnen, wo sie von 7,1 auf 15,7 Prozent kam. Über Stimmenzuwächse können sich auch die Grünen freuen. In fast allen Kreiskommunen legte die Ökopartei zu, wenn auch moderat zwischen einem und vier Prozent. Eine der grünen „Hochburgen“ im Kreis ist neben Ludwigsburg (19,4 Prozent) Korntal-Münchingen, wo die Grünen 19,2 Prozent einfuhren.

Die Linke verbesserte in fast allen Kommunen ihr Ergebnis, kam allerdings als Spitzenwert nicht über die 4,4 Prozent hinaus, die sie in Kornwestheim holte. Keine Rolle spielten im Kreis die ÖDP, Republikaner und NPD.

Ein Blick auf die drei Großen Kreisstädte, deren Oberbürgermeister jeweils als Spitzenkandidat in die Regionalwahl ging: In Bietigheim-Bissingen hat Jürgen Kessing für die SPD gepunktet – und zwar deutlich: Mit 30,7 Prozent fuhren die Sozialdemokraten hier eines ihrer besten Ergebnisse ein und verbesserten sich um mehr als zehn Prozent im Vergleich zu 2004. Die CDU dagegen verlor in der Stadt an der Enz 10,9 Prozent.

Auch Michael Makurath verbesserte in Ditzingen das Ergebnis für die Sozialdemokraten, und zwar um 7,4 auf 26,8 Prozent. Anders sieht es dagegen in Ludwigsburg aus: Oberbürgermeister Werner Spec konnte die Verluste der Christdemokraten nicht verhindern, die auf 31,8 Prozent und damit auf 3,6 Prozent weniger als 2004 kamen.
Die Wahlbeteiligung lag bei 55,56 Prozent.
Sabine Frick

KREIS LUDWIGSBURG

FDP verdoppelt Zahl ihrer Mandate

Der Stimmenverlust, den die CDU bei der Regionalwahl im Landkreis Ludwigsburg hinnehmen musste (-6,7 Prozent), setzt sich beim Wahlergebnis für die gesamte Region Stuttgart fort: Insgesamt büßen die Christdemokraten 7,8 Prozent der Stimmen (9 Sitze) ein, bleiben aber dennoch stärkste Kraft.

Das schlechteste Ergebnis fahren die Christdemokraten in der Stadt Stuttgart mit 26,9 Prozent ein; auch im Kreis Böblingen bleibt die CDU mit 29,89 Prozent unter der 30-Prozent-Marke. Das beste Ergebnis beschert der Rems-Murr-Kreis den Christdemokraten, dort holen sie 34,9 Prozent. Wie gestern berichtet, votierten im Kreis Ludwigsburg 31,5 Prozent der Wähler für die CDU. Sie verliert damit im nun 91 Sitze zählenden Regionalparlament neun Mandate.
Die SPD verliert in der gesamten Region, zu der neben der Landeshauptstadt die Kreise Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr zählen, 2,8 Prozent und landet bei 18,2 Prozent; das entspricht drei Sitzen. Die Sozialdemokraten schicken nun noch 17 Vertreter ins Regionalparlament. Mit 20,1 Prozent verbucht die SPD ihr bestes Ergebnis im Kreis Esslingen, im Kreis Ludwigsburg kommt sie auf 19,4 Prozent, in Böblingen nur auf 15,1 Prozent.

Die Freien Wähler legen um 3,1 Prozent auf 17,1 Prozent zu, stellen künftig 16 statt bislang 13 Regionalräte. Am stärksten profitieren die Freien Wähler im Kreis Böblingen von der CDU-Schwäche, holen dort 25,5 Prozent; in Stuttgart kommen sie dagegen nur auf knapp zehn Prozent. Im Kreis Ludwigsburg können sie 17,6 Prozent verbuchen.

Neben der FDP und der Linken zählen die Grünen zu den Gewinnern. Sie verbessern ihr Ergebnis in der Region Stuttgart um 3,5 auf 16,2 Prozent. Das bedeutet 15 statt bislang zwölf Sitze für die Ökopartei. Sie legt vor allem in der Stadt Stuttgart mächtig auf 25,4 Prozent zu, liegt damit nur 1,5 Prozent hinter der CDU. Das schlechteste Ergebnis gibt es mit 12,3 Prozent im Kreis Göppingen, in Ludwigsburg fahren die Grünen 14,6 Prozent ein.
Die FDP verbessert sich um 5,6 auf 9,5 Prozent, verdoppelt die Zahl ihrer Sitze von 4 auf 8. Die besten Ergebnisse holen die Freidemokraten im Rems-Murr-Kreis und in Stuttgart mit jeweils knapp über zehn Prozent. Das schlechteste Ergebnis kommt mit 8,3 Prozent aus dem Kreis Göppingen, im Kreis Ludwigsburg schlagen 9,2 Prozent zu Buche. Auf Anhieb drei Sitze holt die Linke, die 3,2 Prozent der Stimmen auf sich vereinen kann und zwei der insgesamt elf Ausgleichsmandate erhält. Die Republikaner schaffen es mit Hilfe der Ausgleichsmandate auf zwei Sitze (bislang vier), die ÖDP verteidigt ihr einziges Mandat in der Regionalversammlung.
Wer vertritt nun den Landkreis Ludwigsburg in der Regionalversammlung? Die CDU stellt noch sechs statt bislang sieben Regionalräte; der Ditzinger Konrad Epple hat den Sprung ins Regionalparlament nicht mehr geschafft. Neu ist dagegen der Ludwigsburger OB Werner Spec, der zusammen mit Bietigheims Alt-OB Manfred List, Elke Kreiser aus Ludwigsburg, dem Europaabgeordneten Rainer Wieland aus Gerlingen, dem Hemminger Landwirt Peter Huber und dem Ditzinger Sven Sautter die Christdemokraten vertritt.

Die SPD schickt künftig vier statt drei Regionalräte aus dem Kreis. Neu in der Runde sind die Oberbürgermeister Jürgen Kessing (Bietigheim-Bissingen) und der parteilose Michael Makurath (Ditzingen), Andrea Schwarz aus Oberstenfeld und der Landtagsabgeordnete Wolfgang Stehmer aus Hemmingen waren schon bisher im Regionalparlament. Der Ludwigsburger Landtagsabgeordnete Claus Schmiedel hatte zwar wieder kandidiert, aber auf einem von vornherein aussichtslosen Listenplatz.

Einen Sitz abgeben müssen die Freien Wähler, die jetzt noch drei Regionalräte aus dem Kreis Ludwigsburg stellen. Und zwar wie bislang den früheren Vaihinger Oberbürgermeister Heinz Kälberer und den Bauingenieur Rainer Gessler aus Markgröningen. Der Dritte im Bunde ist neu: Karl-Heinz Balzer, Erster Beigeordneter in Remseck. Elly Martinat aus Asperg hat ihr Mandat im Regionalparlament verloren.

Bei zwei Sitzen bleibt es für die Grünen, sie werden vom bisherigen Regionalrat Josef Matschiner aus Ludwigsburg und der Biologin Eva Mannhardt aus Korntal-Münchingen vertreten. Für die FDP zieht erneut der Gerlinger Apotheker Wolfgang Weng ins Regionalparlament ein, den neu hinzugewonnenen zweiten Sitz belegt der Oberstudiendirektor Kai Buschmann aus Remseck.
Über ein Ausgleichsmandat zieht für die Republikaner der Hessigheimer Bauunternehmer Manfred Wirth ein; er löst Axel Ebert aus Remseck ab. Ebenfalls über ein Ausgleichsmandat hat Friedhelm Hoffmann aus Kornwestheim für die Linke einen Sitz geholt.
Insgesamt stellt der Landkreis Ludwigsburg wie in den letzten fünf Jahren 19 Regionalräte. Drei der 19 Sitze kamen über Ausgleichsmandate zustande.
Sabine Frick


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