Druck aufbauen und die Gunst der Stunde für mehr Lärmschutz entlang der Autobahn nutzen, das wollen Stadt- und Gemeinderäte aus Ludwigsburg, Asperg und Möglingen. Die betroffenen Anwohner aller drei Kommunen rufen sie für die kommenden Wochen zu Protesten auf.

Normalerweise sind es Initiativen von Bürgern, die ein bestimmtes Ziel erreichen wollen und deshalb zu Plakaten und Unterschriftenlisten greifen. Doch nun planen gut zwei Dutzend Räte der Fraktionen von CDU, Freien Wählern (FW) und SPD eine Art Aufstand von oben gegen den „gefühlt unerträglichen Lärm“ der Autobahn 81. So nannte es Roland Glasbrenner, FW-Stadtrat aus Ludwigsburg, gestern beim ersten Treffen der Kommunalpolitiker aus Ludwigsburg, Asperg und Möglingen in Pflugfelden.

Auslöser der Aktivitäten ist ein Plan des Regierungspräsidiums Stuttgart, den Standstreifen auf der Autobahn in Fahrtrichtung Heilbronn bei hohem Verkehrsaufkommen zu öffnen. Die Gremien der drei Städte machen ihr Einverständnis davon abhängig, dass der Lärmschutz entlang der Verkehrsader verbessert wird. Danach sieht es bislang aber nicht aus. Deshalb wollen die Gemeinderäte nun „öffentlichen Druck ausüben, um das zu erreichen, was der Bevölkerung seit Jahrzehnten versprochen wurde“, so Reinhold Noz, CDU-Stadtrat in Ludwigsburg. Der Ludwigsburger Stadtrat und CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Herrmann unterstützt mit einem Brief an Landesinnenminister Heribert Rech (CDU) diese Forderung.

Peter Buck, Anwohner aus Pflugfelden, verlangte: „Wenn es das Wetter hinbekommt, dass die Autobahn überflutet ist und der Verkehr stoppt, dann müssen das die Bürger auch schaffen.“ Noz rief dazu auf, „im Sommer Demonstrationen, die spürbar sind“, zu organisieren. Und Roland Gemeinhardt, CDU-Fraktionschef in Möglingen, erklärte: „Wir müssen knallharte politische Forderungen stellen.“
Insbesondere die Möglinger denken jedoch einen Schritt weiter und wollen den Ausbau der Standspur auch von der Verlegung der Ausfahrt Ludwigsburg-Süd nach Süden und damit weg von ihrer Gemeinde abhängig machen. Roland Glasbrenner ging das zu weit: „Es gibt bislang keinerlei Planungen für eine Verlegung. Das ist Fakt.“ Andere, wie Peter Griesmaier, SPD-Stadtrat aus Ludwigsburg, brachten gar einen Generalplan aufs Tapet, wie der Verkehr im gesamten Großraum zu bewältigen sei. Und Gerhard Pflugfelder, Grünen-Gemeinderat aus Möglingen, gab den Querulanten in der Runde, indem er verlangte, jede neue Straße und Fahrspur abzulehen. Dies verursache nur noch mehr Lärm und Dreck.
Roland Gemeinhardt schwor seine Kollegen daher auf den Lärm als gemeinsamen Feind ein: „Wir sollten uns auf das beschränken, was ich mir heute erwartet habe, die Erklärung eines gemeinsamen politischen Willens.“ Dieser kleinste gemeinsame Nenner blieb der bereits bekannte: Freigabe der Standspur nur gegen Lärmschutzwände. Mit dieser Forderung auf ihren Unterschriftenlisten wollen die aufständischen Politiker nun auf die Straße gehen und nach Gründung ihrer Interessengemeinschaft in den kommenden Wochen zu Aktionen aufrufen.
Daniel Völpel LKZ vom 24.07.2009


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